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Einführung / Kapitel 1

Edo und das Holz

Der Bau der Burg Edo und ihrer Stadt erforderte gewaltige Mengen Holz. Immer wieder brachen in Edo Großbrände aus, die ganze Viertel zerstörten, und jedes Mal wurde Material für den Wiederaufbau gebraucht.[1] Holz war zugleich etwas, das brannte, und etwas, das herbeigeschafft werden musste. Diese beiden Eigenschaften bestimmten, wo Edo sein Holz lagerte und wie es transportiert wurde.

Die Stadt Edo und Kiba

Woher das Holz kam und wohin es ging

Die wichtigsten Herkunftsgebiete des nach Edo gelangenden Holzes waren Kiso, Kishu, Kumano, Akita und Tenryu.[2] Tamas Vorteil war seine Nähe zu Edo.[1] Die in Kiba ansässigen Holzgroßhändler wickelten nahezu das gesamte Holz Edos ab, und Hoflieferanten des Shogunats wie Kinokuniya Bunzaemon und Naraya Mozaemon wurden zu reichen Kaufleuten.[2]

Der Große Meireki-Brand und der Wiederaufbau der Stadt

Der Große Meireki-Brand vom 18.–19. Januar 1657 (Meireki 3) forderte mehr als 68.000 Todesopfer. Fast die gesamten heutigen Bezirke Chiyoda und Chuo sowie etwa 60 % des Bezirks Bunkyo brannten nieder. Nach über 80 Tagen ohne Regen trieben starke Winde das Feuer von drei verschiedenen Brandherden aus voran.[3]

Nach dem Brand gestaltete das Shogunat die Stadt um. Es verlegte Daimyo-Residenzen, Tempel und Schreine aus dem Burgbereich hinaus, verbreiterte Straßen und schuf offene Brandschneisen, hiyokechi und hirokoji genannt. Es verbot brennbare Dachdeckungen und richtete eine Berufsfeuerwehr ein, die jobikeshi.[3] Der Wiederaufbau abgebrannter Viertel erfordert sehr viel Holz. Der nach jedem Brand erneut anfallende Bedarf an Baumaterial war ein wesentlicher Treiber der Holznachfrage Edos.[1]

Wie Kiba entstand

Holzplätze wurden aus der Stadt verlegt, weil gelagertes Holz Brände ausbreitete.[4] Die Quellen sind sich jedoch uneins, welcher Brand den Umzug auslöste. Lexika nennen den Großbrand vom Januar 1641 (Kan'ei 18), nach dem der Holzplatz nahe der Mündung am Westufer des Sumida östlich von Sagacho verlegt wurde.[5] Nach einer anderen Darstellung wurden die Holzgroßhändler nach dem Großen Meireki-Brand von 1657 aus der Stadt verwiesen.[2] In jedem Fall ließen sich die Holzplätze in der Genroku-Ära im heutigen Kiba nieder.

JahrEreignis
1641 Kan'ei 18Nach einem Großbrand zieht der Holzplatz vom Westufer des Sumida in Richtung Fukagawa[5]
1699 Genroku 12Das Gelände wird vom Shogunat beansprucht[5]
1701 Genroku 14Fünfzehn Holzgroßhändler beginnen, das Sumpfland von Fukagawa aufzuschütten[5]
1703 Genroku 16Kiba-cho wird in Fukagawa gegründet; der alte Standort wird als „Moto-Kiba“ bekannt[4]
1970er-JahreDie meisten Holzlagerteiche ziehen auf das Neuland von Shin-Kiba[5]

Kiba wurde auf Sumpfland angelegt, weil der Wassertransport günstig war und die Stämme unter Wasser gelagert werden konnten.[4]

Die Handwerker, die mit den schwimmenden Stämmen umgingen, hießen kawanami. Aus ihrer Arbeit, Stämme zu Flößen zu binden, entstanden die Arbeitslieder kiyari und das kakunori, die Kunst, stehend auf einem schwimmenden Kantholz Kunststücke vorzuführen.[2]

Wie es mit Kiba weiterging – der Umzug nach Shin-Kiba und der Kiba-Park auf dem alten Gelände –, behandelt Kapitel 7.

Von den Bergen und Wäldern aus

Wie das Holz aus Tama transportiert wurde

In den Bergen des westlichen Tama erstarkte die Ome-Forstwirtschaft dank ihrer Nähe zum großen Markt Edo.[1] Die gefällten Stämme wurden zunächst einzeln flussabwärts getriftet („kudanagashi“). Wo der Fluss breiter wurde, band man sie zu Flößen und flößte sie („ikadanagashi“) bis nach Rokugo an der Mündung, von wo sie per Schiff nach Kiba gelangten.[1] Am Nebenfluss Aki war der Floßhandel um 1690 bereits im Gange.[6]

Die Eisenbahn beendete den Flusstransport. Mit der Eröffnung der Ome-Bahn 1894 verlagerte sich der Holztransport vom Fluss aufs Land.[1]

Forstwirtschaft in der Ebene

Nicht nur in den Bergen: In der Ebene rund um die heutigen Bezirke Suginami, Nerima und Setagaya wurde die „Yotsuya-Forstwirtschaft“ betrieben. Ab Mitte der 1890er-Jahre ging sie durch Verstädterung und eine Zedernkrankheit zurück und verschwand bis zum Ende der Taisho-Zeit (Mitte der 1920er-Jahre).[1] Zedernholz wächst gerade und lässt sich entlang der Faser dünn spalten, daher war es für Fässer und Bottiche sehr geschätzt.[1]

Die Wälder des Shogunats und das Recht zur Bergnutzung

Die direkt vom Tokugawa-Shogunat verwalteten Wälder hießen ohayashi. Sie unterstanden dem Finanzkommissar; der Forstkommissar erledigte die praktischen Angelegenheiten, und örtliche Intendanten (daikan) verwalteten die einzelnen Wälder vor Ort.[7] Ihr Zweck war es, Holz für das Shogunat und für öffentliche Bauvorhaben zu sichern. Nach der Meiji-Restauration wurden sie zu Regierungswäldern, also Staatswäldern.[7]

Die Wälder im oberen Einzugsgebiet des Tama-Flusses gehörten größtenteils zum Territorium des Shogunats. Die Ortsansässigen besaßen Allmendrechte (iriai) zum Sammeln von Waldprodukten für den täglichen Bedarf. Zugleich gab es vielerorts „gesperrte Berge“ (otomeyama) mit eingeschränktem Zugang, etwa Berge zur Aufzucht von Jagdfalken, die gute Wälder unversehrt erhielten.[8]

Nach Meiji: Wälder zum Schutz des Wassers

In der Meiji-Zeit brachte die Aufteilung des Waldlandes in öffentliches und privates Eigentum einen Großteil davon unter staatliche Kontrolle, und die Allmendrechte wurden eingeschränkt. Die Walddegradation schritt voran, besonders in den obersten Flussabschnitten.[8] Besorgt über die Verschlechterung ihrer Wasserquellen begann die Präfektur Tokio 1901, rund 8.460 ha Privat- und Kronwald in der Präfektur Yamanashi zu erwerben. 1910 eröffnete die Stadt Tokio ein Büro für Wasserschutzwälder und begann ernsthaft mit der Bewirtschaftung von Wäldern zum Schutz ihrer Wasserversorgung.[8]

Deshalb liegen viele der Wälder, die Tokios Wasser schützen, in der Präfektur Yamanashi und nicht in Tokio.

Quellen

  1. 東京都 木育関連リーフレット(令和5年度) PDF
  2. ジャパンナレッジ 堀口茉純「やっぱり江戸が好き!」第8回(深川木場) Link
  3. 内閣府 防災情報「災害教訓の継承に関する専門調査会報告書 1657 明暦江戸大火」 Link
  4. 三井住友トラスト不動産「このまちアーカイブス 深川」 Link
  5. コトバンク「木場」(改訂新版 世界大百科事典、日本歴史地名大系、日本大百科全書) Link
  6. 国土交通省 京浜河川事務所 多摩川の年表 Link
  7. コトバンク「御林」(デジタル大辞泉、改訂新版 世界大百科事典、精選版 日本国語大辞典) Link
  8. 東京都水道局 水源林に関する資料 PDF
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